RECFA • Restricted European Committee for Future Accelerators
Bericht in Stichworten von Dietmar Kuhn, 20. Sept.1999, FAKT’99
Berichtzeitraum Sept. 1998 - Sept. 1999 (mit einigen Aktualisierungen einschl. Feber 2000)

Allgemeines zum RECFA:

Aufgaben:
1. Information:
In den jährlich fünf Sitzungen werden ausführliche Berichte über den Stand der Experimente und der Planungen in den nationalen und internationalen Beschleunigerzentren gegeben.
2. Eigene Aktivitäten:
         • Analyse und Bewertung des Stands der Hochenergiephysik in den Mitgliedsländern
         • Sponsoring und Veranstaltung von einschlägigen Referaten und Workshops, meist im
           Zusammenhang mit möglichen künftigen Projekten
         • Stellungnahmen, Analysen...

Zusammensetzung:
1 Mitglied pro CERN Mitgliedsland, Beschickung durch nationale Institutionen (in Ö durch den FAKT der ÖPG), das RECFA ist damit ein sehr demokratisch gebildetes Organ. Ex officio-Mitglieder sind ferner die Direktoren des CERN (derzeit L. Maiani), des DESY (A. Wagner) und Gran-Sasso-Laboratoriums (A. Bettini).
(Es gibt daneben noch das internationale ICFA, ein einflußreiches IUPAP- Komitee mit ähnlicher Zielsetzung wie RECFA. Die Mitgliedschaft ist jedoch nicht so gleichmäßig auf die Mitgliedsländer verteilt, hier sitzen v.a. die Direktoren der großen Laboratorien in Europa, USA und Japan
( http://www.fnal.gov/directorate/icfa/icfa_home.html ).)

Generell liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit des RECFA derzeit bei der Befassung mit Plänen für die Hochenergiephysik nach dem LHC-Beschleuniger. Themen sind hier vor allem:
        • Beschleuniger: e+ e- - Linacs , Myon-Collider
        • Astrophysik-Experimente
        • Öffentlichkeitsarbeit ("Outreach"), Technologie-Transfer
 

1. Information

Regelmäßig werden Berichte gegeben vom Vorsitzenden des RECFA (derz. Lorenzo Foa) und den Direktoren des CERN (Luciano Maiani) und  DESY (Albrecht Wagner)

1.1 Personelles:
Der bisherige Direktor des DESY, Björn Wiik, ist im Feber 99 durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen. Er  hatte sich besonders um den Bau des  HERA-Beschleunigers und das TESLA-Projekt (R&D und politische Vorbereitung des Baues eines großen Linearbeschleunigers am DESY) verdient gemacht. Im Juni 99 fand im DESY ein Memorial Symposium für Björn Wiik statt.

1999 wurde auch der bisherige Generaldirektor des CERN, Chris Llewelyn Smith durch Luciano Maiani abgelöst.
Einige Österreicher sind in wichtigen Positionen: W. Majerotto ist Vizepräsident des CERN-Council, Kurt Hübner ist weiterhin Direktor für Beschleuniger beim CERN, Robert Klanner wurde Forschungsdirektor beim DESY.

1.2 CERN:

Durch Wassereinbrüche gab es beim Bau eines Schachts Probleme, nach Vereisung des Erdreiches kann mit ca. 5-monatiger Verspätung weitergearbeitet werden. Tests eines endgültigen Prototyps der LHC-Magneten (supraleitend, je ca. 15 m lang) wurden durchgeführt: 9 Tesla werden problemlos erreicht. Auftragserteilung für die Magneten an verschiedene Firmen nach Ausschreibung (Gesamtvolumen ca. 1 GCHFR) wurde begonnen. Eine erste vollständige "Zelle" des LHC = 6 Dipol- + 2 Quadrupolmagneten samt Kühlaggregaten soll Mitte 2000 fertiggestellt sein.
  ( http://www.cern.ch/CERN/Divisions/SL/welcome.html )
 Durch Einsatz von 288 supraleitenden neben 56 konventionellen Hohlraumresonatoren und schon vorhandenen LHC-Kryostaten  konnte die Energie des LEP bis auf 202 GeV gesteigert werden.
 Im Jahr 2000 sind 2 Runs von je 7 Wochen vorgesehen, ev. auch mit E > 200 GeV  (bis 206 GeV) geplant. Ein Problem stellt dabei die zunehmend hohe Anzahl strahlinduzierter Untergrundereignisse dar.
 Bisherige Runs des LEP:
 
1989-1995: 91 GeV bei Z°-Masse, resonant, daher mit hohen Raten
1995:  130-140 GeV
1996: 161-172 GeV (Produktion von W-Paaren)
1997, 1998: 182-184-189 GeV
1999: 200-206 GeV

 Damit ist LEP ziemlich an seiner Leistungsgrenze angelangt: allein die als Synchrotron-Strahlung abgegebene Leistung beträgt dabei 18 MW. Trotz der erhöhten Fehleranfälligkeit der Komponenten bei 200 GeV wurde eine Luminosität von ~8.10 30 cm-2 s-1 erreicht und alle vier LEP-Experimente (ALEPH, DELPHI, L3 und OPAL) konnten Daten nehmen.
 Diese Energiesteigerung diente vorrangig der Suche nach Higgs-Teilchen. Das derzeit mit den LEP-Daten bestimmte untere Limit für die Higgs-Masse liegt bei rund 105 GeV. Daneben können z.B. über die Bestimmung von Wirkungsquerschnitten und Asymmetrien Tests des Standardmodells (SM) durchgeführt und Limits für seine Erweiterung bestimmt werden. Die Übereinstimmung der bisherigen Daten mit dem SM ist erstaunlich, da dieses eigentlich nur eine "effektive Theorie" für hinreichend niedrige Energie darstellt. Alle im Laufe der letzten Jahre beobachteten mögliche  Hinweise auf Abweichungen vom SM haben sich mit zunehmender Statistik als nicht signifikant herausgestellt. (Gilt ebenso für die Analyse der Experimente am Stanford Linear Collider SLC im SLAC und am Tevatron in Fermi-Lab.)
 
 

• NA 48: (Unter Beteiligung des Inst.f. Hochenergiephysik der ÖAW, Wien, siehe Referat auf dieser FAKT-Tagung)  Bestimmung von e’/e (= Verhältnis der direkten zur indirekten Verletzung der CP-Symmetrie) beim Zerfall des langlebigen K-Mesons.
( http://www.cern.ch/NA48/Welcome.html )

- Wichtiges erstes Resultat 1999:
e’/e   =18.5 ± 4.3 und damit eindeutig von Null verschieden und positiv. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Klärung einer langjährigen Kontroverse und Rehabilitation des  CERN-Experiments NA 31, das in den Jahren 1988-1993 einen Wert  ungleich 0 mit einer Signifikanz von 3s publiziert hatte. 1990 ergab das Fermi-Lab. Experiment E731 im Gegensatz dazu einen Wert ~0 mit 1s, jedoch dann im Jahre 1999 ein weiteres US-Experiment ("kTeV") 28 ± 4.1, also einen Effekt mit einer Signifikanz von  rund  7s.
- Der Welt-Durchschnitt mit den Daten bis 1998 beträgt jetzt 19,3 ± 2.4. Die Analyse der NA 48-Daten von 1999 wird derzeit durchgeführt.
- Durch die Implosion des Kohlefaser-Strahlrohrs wurden die Spurenkammern von NA48 schwer beschädigt, weitere Runs sind jedoch für 2000 und 2001 geplant. Weitere Daten werden von kTeV (FNAL) und DAFNE (Frascati) erwartet.

• Quark-Gluon- Plasma
 Bei hinreichend hohen Energiedichten ("Little Bang") ist ein neuer Aggregatzustand der  Materie, das Quark-Gluon-Plasma (QGP) zu erwarten. In Pb-Pb-Kollisionen mit 40  GeV/Nucleon (Exp. NA44, NA45/CERES, NA49, NA50, NA52/NEWMASS,  WA97/NA57, und WA98), in denen die maximalen Energiedichten zu rund 3 GeV fm-3 geschätzt wurden, wird die Bildung eines QGP vermutet. Als Hinweise gelten:
  - Verstärktes Auftreten von Strange-Particles
  - Unterdrückung der J/Y-Produktion
 Beide Effekte wurden deutlich beobachtet, z.B. Ansteigen der W- und Anti-W-Produktion gegenüber Modellrechnungen um einen Faktor 10. Nicht beobachtet wurden Photonen der ebenfalls zu erwartenden thermischen elmag. Strahlung.
( http://www.cern.ch/CERN/Announcements/2000/NewStateMatter/ )

• ATLAS, CMS:
 Dies sind die beiden großen am LHC geplanten Experimente. Am CMS ist das Wiener  Inst. f. Hochenergiephysik, an ATLAS die Innsbrucker Hochenergiegruppe beteiligt.  Vorbereitung der Experimente und Konstruktion der beiden großen Detektoren geht  im wesentlichen planmäßig voran.
Kommentar des CERN-Direktors im RECFA: "terrible dimensions, problems everywhere, but nothing on critical level"
( http://atlasinfo.cern.ch:80/Atlas/Welcome.html )
( http://cmsinfo.cern.ch/Welcome.html )

• CNGS (CERN Neutrino Beam to Gran Sasso
( http://www.cern.ch/NGS/ ))
Geplant (und vom CERN Council im Dezember bewilligt):
Ein nm- Strahl wird vom CERN auf Detektoren im Gran Sasso Laboratorium (LNGS) in 732 km Entfernung gerichtet, die nm ´s sollen dabei von einem 450-GeV-Protonenstrahl erzeugt werden.
Zur Erinnerung: Wenn die Neutrinos eine von Null verschiedene Masse haben, können Überlagerungen der verschiedenen Neutrino-Zustände (Flavours) zu Oszillationen und damit zu periodischen Schwankungen der Raten des Auftretens von   ne ,nm    und nt führen. (Mögliche Erklärung für die zu kleine Rate der solaren Neutrinos etc. )
Erste experimentelle Hinweise: Anomalie der atmosphärischen Neutrinos, wurde im japanischen Kamiokande-Exp. 1988 erstmals beobachtet: Rate der atmosphärischen nm   scheint zu klein, im Super-Kamiokande-Exp. wurde 1999 eine Winkelabhängigkeit dieses Effekts (entsprechend unterschiedlichen Laufstrecken der in der Atmosphäre erzeugten nm ) beobachtet, die mit der Umwandlung von nm  in  nt   durch solche Oszillationen bei einer Massendifferenz zwischen nm  und  nt   von Dm2 ~ 2.5.10 -3 (eV)2 kompatibel ist. Ähnliche Werte bzw. entsprechende Limits gibt es auch von anderen Experimenten (Soudan II, Macro).
Mehrere Long-Baseline-Experimente sind in Vorbereitung, in denen Neutrino-Strahlen von Beschleunigern auf Detektoren gerichtet werden (K2K = KEK to Kamiokande in Japan, 250 km , FNAL - Soudan in den USA, 730 km). Im Gegensatz zu diesen Experimenten, in denen ebenfalls eine Bestätigung des "nm-Verschwindens" erwartet wird, hofft man im NGS, das Auftreten von nt im ursprünglich reinen nm    - Strahl nachweisen zu können. Als Detektoren im Gran-Sasso-Laaboratorium sind ICANOE (Spurenkammer und Spektrometer) und OPERA (Emulsion) geplant. Innerhalb von 4 Jahren hofft man einige Dutzend bis einige Tausend nt-Ereignisse (12 nt-Ereignisse pro Jahr und 1000t Detektormasse) nachweisen zu können. Daneben sollen mit ICANOE auch atmosphärische Neutrinos analysiert und nach Nukleonen- Zerfällen gesucht werden.
Das Science Policy Committee (SPC) des CERN sieht das CNGS-  Experiment als Basis einer "n-Facility" im CERN, die über rund 2 Jahrzehnte in Betrieb sein könnte.
Kosten im CERN: ~100 CHFr. Davon werden 76 MCHFr.  sowie die Kosten für den ICANOE- Detektor (200 MSFr) von Italien (INFN) beigetragen.
Sorge besteht, daß die über 5 Jahre benötigte Arbeitskapazität von 60 Mann-Jahren bei LHC fehlen werden!
(Ein Experiment mit einer kurzen Laufstrecke (SBL) im CERN wird überlegt: der hiermit überprüfbare Massenbereich liegt allerdings bei Dm2 ~ 1 eV2 und gilt als nicht wahrscheinlich)

• nTOF (Neutron time-of-flight)
( http://www.cern.ch/proj-nTOF/ )
ein hochintensiver Neutronenstrahl mit 1015 n/Puls bei etwa  100 MeV ist im Bau für Experimente zur Neutronenphysik, zur Bestimmung der Wirkungsquerschnitte Neutronen-induzierter Reaktionen der stellaren Nukleosynthese, für Energie-Technologie und Dosimetrie (Ref. Leeb et al. auf dieser FAKT-Tagung).

• Antiproton-Decelerator (AD)
( http://www.cern.ch/PSdoc/acc/ad/index.html )
Status: 1999 wurden erstmals Antiprotonen mit 100 MeV/c extrahiert
Hier sind folgende Experimente mit langsamen Antiprotonen vorgesehen:
ATHENA:  Antiprotonen und e+ werden getrennt in Fallen eingefangen, Antiwasserstoff wird gebildet und die Energieniveaus mit denen von Wasserstoff verglichen.
ATRAP:  Anti - H praktisch in Ruhe produziert,  Anti-H-Spektroskopie
ASACUSA:  Antiprotonen werden  eingefangen --> H2++ e- anti-p    "Atomküle" erzeugt, Feinstruktur-Übergänge sollen untersucht werden.
 
 

(Post-LHC, Motiv: Suche nach der "neuen Physik" bei hohen Energien, bei denen das Standardmodell (="effektive Theorie" bei hinreichend niedriger Energie) nicht mehr gelten kann.

• CLIC  "The Compact Linear Collider Study"
(http://www.cern.ch/CERN/Divisions/PS/CLIC/Welcome.html )
Hier gibt es eine weltweite Zusammenarbeit über Linearbeschleuniger, die die Machbarkeit eines 3 TeV - e+ e--Beschleunigers mit einer Luminosität von 1035 cm-2 s-1 untersucht. Die Beschleunigungselemente sollen mit 30 GHz und bei Raumtemperatur arbeiten und werden von einem parallel-laufenden zweiten Strahl gespeist. Ev. soll CLIC auch für Gamma-Gamma-Wechselwirkungen ausgelegt werden. Ein solcher Linearbeschleuniger würde eine Länge von ca. 30 km aufweisen. Im CERN werden 5 - 6 MCHFR/a für R&D ausgegeben, es wurden mehrere Testanorndungen errichtet. So wird derzeit die CERN Test Facility 3 CTF3 installiert, eine 15 m-Sektion mit allen Beschleunigerelementen, die 150 MV/m erreichen soll. Prinzipiell erschiene ein Bau in der Zeit 2009 - 2014 möglich, mit Experimenten ab 2015 ...
Ähnliche Bestrebungen gibt es auch außerhalb des CERN: In Japan wird im JLC- Projekt ein Testaufbau mit < 500 GeV zusammen mit einer russischen Gruppe gebaut.
In den USA wird im SLAC der ILC, ein 500 MeV-Testbeschleuniger, ("x-Band") geplant.
Das Internationale Komittee für künftige Beschleuniger, ICFA, gab offizielles Statement zur Unterstützung  linearem e+ e- Collider  im TeV-Bereich ab.

• Myonen-Beschleuniger
Wegen der hohen Masse des Myons (106 MeV) im Vergleich zum Elektron (0.511 MeV) ergeben sich folgende Vorteile:
- Vernachlässigbare Synchrotron-Strahlung:
- Ermöglicht kompakte Bauweise (Die Energie des LEP von 200 GeV bei 26 km Umfang ließe
    sich von einem Myon-Collider mit 160 m Umfang erreichen.)
- Praktisch monochromatische Strahlen: ermöglicht Spektroskopie mit höchster Auflösung
- hohes s für Higgs-Produktion: dieser Wirkungsquerschnitt steigt mit dem Quadrat der
    Massen der kollidierenden Teilchen. (Ev. auch Z und Top-Quark-Factories)
- Die aus einem Pion-Zerfall stammenden Myonen sind polarisiert. Dadurch wird der
    Produktions-Wirkungsquerschnitt erhöht, die absolute Strahlenergie kann über die
    Spin-Präzession sehr genau gemessen werden.

 Probleme:
- kurze Lebensdauer des Myons (2.2  µs)
- n-Strahlung aus den Myon-Zerfällen ist enorm (erreicht US-  Zivilschutzlimits), ist nicht abschirmbar. Ev. aber für Hochfluß- Neutrino-Experimente nutzbar    ("n-factories")
Aktivitäten bei CERN und  FNAL für R + D: zunächst wurden Studien zum Myonen-Collider durchgeführt:
CERN-Studie: "Options for Future Colliders at CERN" by J. Ellis, E. Keil, G. Rolandi, CERN-SL-98-004 98
ECFA-Studie: "Prospective  Study of Muon Storage Rings at CERN" edited by B. Autin, A. Blondel and J. Ellis  (CERN 99-02, ECFA 99-197).
Danach gab es ein internationales Workshop (NuFact'99) in Lyon zum Thema: "A Neutrino Factory Based on Muon Beams" mit ECFA und ICFA als Sponsoren.
NuFact'00 wird im Mai 2000 in Monterey (USA) abgehalten werden.
Ende 2000 soll eine Europäische Studiengruppe berichten über: "A Neutrino Factory Complex: Physics Opportunities and Outline of a Machine"
Folgende vorbereitende Experimente werden vorgeschlagen:
- Bestimmung der Wirkungsquerschnitte für die Produktion geladener Pionen und Hadronen-Erzeugung durch Pionen,
- Myonen-Streuung bei großen Winkeln
- Einfluß starker Magnetfelder und radioaktiver Strahlung auf Hohlraumresonatoren
- Hochleistungstargets (Auch für Spallations-Experimente wichtig)
RECFA befürwortet R&D für Myonenbeschleuniger und gibt eine entsprechende Empfehlung an die Europäischen Laboratorien ab.

• VLHC Very Large Hadron Collider, z.B. 60 TeV (LHC: wird 16 TeV haben ).
Lediglich erste generelle Überlegungen. Wird sicher nicht CERN als Standort haben, da  - zumindest nach heutigem Stand der Technologie - zu groß!

Bulgarien wurde als 20. Mitgliedsstaat akzeptiert! (11.3.1999: einstimmig im Council angenommen)
SLO, RO: zähe Verhandlungen
USA, Japan, Russland, Türkei: haben Beobachter-Status mit Beteiligung an Experimenten.
Indien, Canada, China in Diskussion (CERN auf dem Weg zu einem Welt-Laboratorium)
  Es wurde ein "Industry and Technology Liaison Office" eingerichtet. Zum Direktor für Technologietransfer und wissenschaftliches Rechnen wurde Hans Hoffmann bestellt.
  Neben dem vom CERN finanzierten techn. Studentenprogramm sind nationale Programme wesentlich, werden  aber sehr unterschiedlich gehandhabt:
Ö: 8 -10 PhD/a
I: 4 PhD, 4 Dipl /a
SF: 14 Ing. Summer-students/a  in 50%: Diplomarbeit in HEPHY folgt
Sp, P: 5 Ing./a für 2 Jahre
Ö+SF sind besonders engagiert.
Österreichs Aktivität zur Förderung von Technologiestudenten über nationale Dissertationsstipendien wird vom RECFA ausdrücklich als vorbildlich hervorgehoben.
Programme auch mit EU, Japan, USA
Allgemein wird festgehalten, daß die Absolventen ausgezeichnete Berufschancen in der nationalen Wirtschaft und Industrie haben.
 

1.3 DESY
Beschleunigerkomplexe im DESY: DORIS - PETRA - HERA
( http://www-mpy.desy.de/desy-acc.html )
HERA-B (im HERA-p-Strahl): Installation verläuft planmäßig, ab 2000 sind
Runs mit komplettem Detektor geplant.
 

( http://tesla.desy.de )
e+ e--Linac mit 250 GeV bis ~1 TeV wird seit 1996 im DESY geplant und in Testaufbauten vorbereitet. Einbezogen ist die Planung eines 300 m langen Free Electron Lasers, der Wellenlängen zwischen 30 und 6 nm erreichen soll. Mit dem hierfür vorgesehene Prinzip der Self Amplified Spontaneous Emission (SASE) konnte in einem Testaufbau im Feber 2000 eine Laser-Strahlung von 110 nm erzeugt werden.
Nach der Test Facility 1 (TF1, 400 MeV Linac mit einem Beschleunigungsgradienten von 24 MV/m) wird die TF2 gebaut, bestehend aus 5 Kryomodulen mit je 8 Resonatoren und 3  Undulatoren von je 4.5 m Länge.
Wesentliches Element für TESLA sind die Niobium-Hohlraumresonatoren mit einem Soll-Gradienten von 25MV/m. Hier gab es nach anfänglichen Problemen einen Durchbruch beim Erreichen hoher Beschleunigungs-Gradienten: durch 'Electron polishing' (Saclay) konnten 34 MV/m, neuerdings bis zu 40 MV/m erreicht werden.
März 1999: "2nd ECFA/DESY Study on Physics + Detectors for a linear e+ e- Collider "
April 1999: Intern. Meeting in Sitges (USA, Japan)
Zeitplan: 1999: Feasibility studies, Kostenabschätzung.
 2001: Technical Design Report
  betont Synchrotron-Strahlungs-Forschung an DORIS, PETRA:
HASYLAB ( http://www-hasylab.desy.de ) : 42 beams, 76 Experimente.
Zum Vergleich: Im DESY sind tätig:
 1230 Wissensch. (aus 112 Inst. in 25 Ländern) in Teilchenphysik
 2140 Wissensch. (aus 230 Inst. in 33 Ländern) in Exp. mit Synchrotron-Str.

Es wurden 2 Gruppen für strukturelle Biologie gegründet.
- Strukturanalyse: Makromoleküle, Proteinkristalle analyt. D.B.
- Spektroskopie: Vorber. des Einsatzes von Free Electron Lasern in struktureller Biologie.
Schwerpunkt auf Entwicklung v. Instrumentierung für diesen Einsatz

Zeuthen (Ehemaliges Akademie-Institut in Berlin, jetzt in DESY eingegliedert):
* AMANDA:  Schnüre mit Photomultipliern im antarktischen Eis zum Nachweis des Cerenkov-Lichts von Myonen aus n-Wechselwirkungen. Derzeit ist ein Array von 200 x1200 m in Betrieb, im Jahr 2000 soll über ein  1 km3-Projekt entschieden werden.
* Parallel-Computing: hier gibt es ein Array -Processor Experiment: APE 100 für den Einsatz in Gitterrechnungen zur Quantenchromodynamik. 1999 wurden mit 896 Prozessoren 45 Gflops erreicht, 800 Tflop.h geleistet
Studiengruppe des ECFA für Hochleistungsrechnen erwartet einen Bedarf an 10-Tera-Flop-Rechnern für QCD-Rechnungen im Jahr 2003. Da solche Prozessoren bis dahin nicht kommerziell erhältlich sein werden, wird ein entsprechendes Projekt empfohlen.

1.4 Frascati
DAFNE-Ring (Resonante Fo  - Produktion in e+ e- Kollisionen)
(http://www.lnf.infn.it/acceleratori/ ):  Luminosität ist noch wesentlich unter Sollwert. Das DEAR-Experiment  (http://www.lnf.infn.it/esperimenti/dear/lastach.html ) zur Untersuchung von Kaonischem Wasserstoff, für das das Institut für Mittelenergiephysik der ÖAW, Wien, ein Wasserstoff-Kryotarget entwickelt hat, konnte daher noch nicht mit der Datennahme beginnen. Dagegen wurde im KLOE- Experiment erste Daten genommen ( http://www.lnf.infn.it/kloe/kloe_exp.html ). Untersucht werden soll vor allem der Zerfall Fo -> K1oK2o zur Untersuchung der CP-Verletzung. Die Größe e’/e soll letztlich mit einer Genauigkeit von
D(e’/e) ~ 10-7 bei einer Ausbeute (integrierten Luminosität) von  100 pb-1 bestimmt werden. (Vergl. mit NA48 oben!)

1.5 Kurzbericht zu Aktivitäten der ICFA
Schwerpunkt liegt bei Post-LHC-Beschleunigern und -Experimenten sowie  Particle Astrophysics. Der RECFA-Vorsitzende ist Mitglied des ICFA und berichtet jeweils im RECFA:
ICFA + Lab.-Direktoren Meeting Feb. 1999  KEK (Japan)
 Aug. 1999 SLAC (USA)

•  Bericht über Berichte aus Labs: umfassend -> hier nur:
SLAC: PEP II, 'B Factory' mit Strahlen der HER/LER e+/e-  mit 9/3.1 GeV..
BABAR: g -B Anti-B:  Ebenfalls zum Studium der CP- Verletzung. Ist im Sommer 1999 in Betrieb gegangen, Datennahme ist über 10 - 15 Jahre geplant.
KEK- Ring in Japan: BELLE-Experiment ist praktisch identisch zu BABAR, gleiches Programm.

• R&D für zukünftige Beschleuniger
"aim at design + cost estimates in a few years"

Weitere ICFA-Aktivitäten (summarisch)

- Standing Committee on Interregional Connectivity: Untersucht werden Übertragungsgeschwindigkeit, Bandbreite, Verläßlichkeit, Kosten der von der Hochenergiephysik verwendeten Netze. Beobachtung für 1994 - 99: Zunahme der Bandbreite um 100% pro Jahr!
- Working group: Large Collider Physics and Detectors
Working Group: New Accelerators (insbes. für Myonen - Collider)
-  In der Astrophysik wird eine zunehmende Aktivität im Bereich der Teilchenphysik festgestellt. Joint Astrophysics Division EPS/ESA schlägt Gründung einer Working Group zur Befassung mit Projekten/Ideen in der Teilchen-Astrophysik vor, sie sollte im CERN angesiedelt werden. Ein ESA-CERN Workhop ist im Jahr 2000 geplant über "Fundamentale Physik im Weltraum", von RECFA gesponsort, ein ECFA-Mitglied soll in der Working Group mitarbeiten.

2. Spezielle RECFA-Aktivitäten

2.1 Organisation von Workshops, Meetings, vorher schon im einzelnen erwähnt
2.2 Besuche (Analyse HEP in Mitgliedsländern)
2.3 Publikationspolitik: Autorenschaft in großen Kollaborationen
2.4 Studentenzahlen Physik in CERN-Mitgliedsländern, Erhebung der zeitlichen  Entwicklung  wurde begonnen
2.5 Outreach (-> Ch. Gottfried, eigener Bericht)

ad 2.2 Besuche in Mitgliedsländern
1999: Frankreich, Dänemark, Ungarn, für  2000 sind Besuche in Großbritannien, Tschechien und Deutschland vorgesehen

Frankreich: beeindruckende Aktivität (F + I stellen zusammen 60% der europ. HEP-Technik)
75% IN2P3: 5 Labs, 2500 Mitarbeiter, davon 1000 Physiker
25% CEA/DAPNIA (SACLAY) 700 Mitarbeiter
aber: abnehmendes Budget (auch Personal)
Kontakte zu Universitäten (insbes. Techn. Universitäten) könnte besser sein!
(traditionell ist Mathematik an Unis stark vertreten)

Dänemark: starke Budgetreduktion für HEP
autonomes Universitätsbudget zugunsten angewandter Forschung und Frauenprojekten verschoben
NBI (Niels Bohr-Institut, Kopenhagen) 2 % Reduktion über 5 a
1996: 103, 1999: 82 Angestellte, Kündigung auch von Ordinarien ...
DELPHI-Teilnahme wegen Stellenmangel beendet (ALEPH-Gruppe existiert weiter, ist aber kleiner). Auch die Zahl der Post-doc-Stellen wird reduziert.
Inland-Ausgaben für HEP gegenüber Nachbarländern drastisch gefallen -> Vorsprache des CERN-Direktors Maiani beim Minister sowie Brief des  RECFA-Chairman Foa.

Ungarn: 'neue' Regierung beschloß CERN-Beitritt mit 3MCHFr/a, Geld für HEP stammt aus verschiedenen Quellen: Akademie, Wissenschaftsrat (Parlament), Ministerium. Hoher Personalkostenanteil (es gibt ein Forschungsinstitut mit 100 Angestellten noch aus der vorangegangenen politischen Ära, das nur langsam auf HEP-Bedürfnisse adaptiert werden kann). Es bleibt derzeit praktisch kein Geld für Teilnahme an Experimenten übrig.
Zu wenig Doktorats-Studenten: Industrie ist viel attraktiver!
Anmerkung: nach diesem Besuch und entsprechender Empfehlung des RECFA hat Ungarn das MoU für das CMS- und das ALICE-Experiment unterzeichnet, der ungarische Wirtschaftsminister Attila Chikan hat CERN besucht.

ad 2.3: Autorenschaft in großen Kollaborationen
Wertigkeit von HEP-Publikationen für Nachwuchs wird durch hohe Autorenzahl verringert, Beitrag kaum festzustellen, unrentabel für 'Hauptautoren'
für LHC etc.: dramatische Verstärkung dieses Effekts tritt auf.
Ausweg vorgeschlagen: neue Klasse von Publikationen
• "Scientific Notes"
Resultate von Analysen, Detektorentwicklung, Detektorphysik, Simulationen, Software, Algorithmen, Data-Handling-Prozeduren (keine neuen exp. Resultate)
Werden in vollen Kollaborationspublikationen zitiert
• nur unter Namen der umittelbar involvierten Autoren veröffentlicht ('direct authors')
• werden von Kollaborationssprecher approbiert und eingereicht
• Begutachtung auch durch externe Gutachter
• Erscheinen in öffentlichen Publikationen, möglichst auch elektronisch
Und: Publ. der gesamten Kollaboration unter Namen der Kollaboration und einer Liste der Institute mit lediglich einer Referenz zu einer aktuellen Autorenliste (dadurch sollen seitenlange Autorenlisten für jede einzelne Publikation vermieden werden.)

Von der gesamten Kollaboration sollen weiterhin verfaßt werden:
- Artikel mit neuen Resultaten in referierten Journalen
- Proposals und Reports an offizielle Stellen
- Artikel großer Untergruppen (Subsysteme) der Kollaboration

Reaktion der Journale vorwiegend positiv, jetzt wurden die großen Kollaborationen kontaktiert, es gab ebenfalls überwiegend positives Echo auf diese Vorschläge.